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DANN KÖNNEN TRÄNEN FLIESSEN STATT VORWÜRFE HAGELN

21.03.2018 15:31

Bindungstherapeutin Paulien Kuipers (62): „Niemand möchte mit unfertigen Linien sterben“

Paulien Kuipers (62) arbeitet als Bindungstherapeutin mit Kindern und deren Eltern. Immer häufiger arbeitet sie in letzter Zeit auch mit „Kindern“, die in ein reifes Alter gekommen sind, und ihren noch älteren Eltern. „Ich sorge für goldene Momente, die Menschen noch miteinander haben.“

„Das sichere Band zwischen Eltern und Kind ist für jedes Kind lebenswichtig. Wenn hierbei etwas schiefgelaufen ist, begleitet einen dies ein Leben lang. Dass kommt daher, dass wir ein Leben lang unserer Familie angehören und wir uns immer weiter nach Heilung des Kontakts sehnen.“

Paulien betont, dass eine unsichere Bindung niemandes Schuld ist und viele Ursachen haben kann. Ein Beispiel kann eine schwere Geburt sein, das Versterben eines Familienmitgliedes in der Schwangerschaft, Beziehungsprobleme oder eine eigene problematische Kindheit. Paulien: „Die Folge ist, dass ein Elternteil nicht bedingungslos 'ja' zum Kind sagen kann. Das Kind sucht immerfort mit seinem Verhalten nach seinem Elternteil, auf viele Arten und Weisen. Es lebt mit einer Verformung weiter, zum Beispiel indem es als Kind sehr aufgedreht ist oder es später als Erwachsener gleichgültig wir

Ein Schmerz wie ein Stein

„Von den Eltern hin zu den Kindern und von den Kindern zu den Eltern sitzt viel Schmerz, der wie ein Stein geworden ist. Gemeinsam mit ihnen weiche ich diesen Stein wieder auf.“ Paulien erläutert auch, wie sie dies tut. Für sie steht fest, dass man das Eltern-Kind-Band nur wiederherstellen kann, wenn man ins Angesicht des Schmerzes zu treten wagt. „Durch all den angesammelten und aufgestapelten Schmerz können sich Kinder und Eltern nicht mehr sehen. Wenn der Schmerz ausgesprochen wird, klärt sich der Horizont und sie können sich wieder ins Auge fassen und begegnen. Das ist es, was ich innerhalb einiger Gespräche mache. Ich lasse die Eltern JA zum Kind sagen. Sobald es aufseiten der Kinder oder Eltern Vorwürfe gibt, gehe ich mit ihnen hin zur Herzenssprache. Diese bringt die Menschen hin zu den Sehnsüchten und Bedürfnissen, die unter jenen Vorwürfen verborgen liegen. Ich lasse Menschen Dinge aussprechen, zum Beispiel: 'Ich habe dich so vermisst!' Dann können Tränen fließen statt Vorwürfe hageln. Ich sorge für gemeinsame goldene Momente, wodurch Anker geschaffen werden, für die Zeit, die die Menschen noch gemeinsam haben.“

Unfertige Linien

Oft haben sich Menschen bereits ein Leben lang hinter ihren Mauern verschanzt. Die Eltern zum Beispiel mit einem Schuldgefühl, die Kinder vorwurfsvoll. Dann passiert etwas und der Schmerz löst sich. Paulien gibt ein Beispiel: „Eine Mutter wird krank und ihre Tochter will ihr Essen anreichen, aber sie kann wortwörtlich ihrer Mutter nicht die Hand reichen. Der Schmerz ist zu groß und will gesehen werden. Auch im Angesicht des Todes tritt das Bedürfnis nach Heilung in den Vordergrund. Wenn die Verbitterung geblieben ist, ist das Sterben schwieriger und die Kinder stehend hadernd am Sterbebett.“

Laut Paulien kann man auf diesem Gebiet noch viel erreichen. „Es gibt soviel Kummer bei Senioren, der hiermit zu tun hat und den man mit Pillen vertreiben will. Wie kann jemand, der sein Kind nicht sehen kann, in Frieden sterben? Niemand möchte mit unfertigen Linien sterben, dann kann man nicht gehen. Das Leben muss ein Ganzes sein. Ich glaube, dass hier ein offenes Loch in der Gesellschaft vorliegt. Wir beschäftigen uns zu wenig mit Verbindungen. Probleme, die mit Beziehungen zu tun haben, kann man nur in der Beziehung lösen.“